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Bilder von drüben

Auf der einen Seite: Arbeitslosigkeit, Drogensucht, alte und neue Nazis, Prostitution, perspektivlose Jugendliche, falscher Schein von Wohlstand und Prosperität, dahinter krasse soziale Gegensätze und viel Elend. Auf der anderen Seite: Überwachung und Unterdrückung, Fanatiker, verfallene Städte, Straßen und Fabriken, bescheidene Lebens­verhältnisse, allgegenwärtige Angst und ein fin­ste­­res System, aus dem man flüchten möchte. – Waren dies wirklich die Versatzstücke, mit denen in der Spielfilmproduktion des geteilten Deutschlands der Osten den Westen und der Westen den Osten zeigte?

Vor siebzig Jahren wurde mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik die deutsche Teilung zunächst besiegelt. Von da an lebten die Menschen in Deutsch­land vier Jahrzehnte lang in zwei verschiedenen Welten, in Systemen, die einander feindlich gesonnen waren und danach trachteten, das konkurrierende zu beseitigen. Dazu gehörte, den Staat, die Gesellschaft, den Alltag auf der anderen Seite des „Eisernen Vorhangs“ im Spielfilm darzustellen – für die Bewohner des eigenen Gemeinwesens ebenso wie, vermittelt vor allem durch das Fernsehen, für die Bewoh­ner des anderen.

Solche „Bilder von drüben“ zeigt die gleichnamige, von Jan Gympel kuratierte Retrospektive an jeweils sieben Beispielen aus Ost und West. Sie bringt ausschließlich fiktionale Werke zusammen, denn bei ihnen stellte sich nicht nur die Frage, welche Ge­schichten die Filme erzählen, sondern auch, wie die Bilder von der anderen Seite – wo in der Regel ja für solche Filme nicht gedreht werden durfte – entstehen konnten.

Da sich die DDR-Filmproduktion vornehmlich für das Treiben der „besseren“ Kreise im anderen deutschen Staat interessierte, stellte sie mit deren schickem bis luxuriösem Leben den Westen unwillkürlich immer wieder als zumindest optisch sehr attraktiv dar. Das Leben des Proletariats (das doch dem Marxismus zufolge die Menschheit ins Paradies führen sollte) wurde nur selten gezeigt – womöglich aus Sorge, die eigenen Bürger könnten Vergleiche ziehen zwischen ihrem Lebensstandard und dem der Arbeiter im sozial gebändigten Kapitalismus. Hingegen kümmerte westliche Filmemacher das Dasein höherer Ost-Funktionäre kaum: Hier dominierte der Durchschnittsmensch, meist mit seinen Nöten, erst recht wenn er in eine Uniform gesteckt worden war oder sich anderweitig in den Herrschaftsapparat verstrickt hatte.

Dabei verzichteten nur wenige bundesdeutsche Filme über die DDR darauf, zugleich auch einen kritischen Blick auf die Verhältnisse im eigenen Staat zu werfen. Letzteres geschah – insbesondere ab Ende der sechziger Jahre – in der eigenen Filmproduktion ohnehin ausgiebig. So wurde die Wirkung der DDR-Filme über die BRD nicht nur beeinträchtigt durch Übertreibungen und andere Verzerrungen, die zu ungenauen Darstellungen westlicher Probleme und Missstände führten. Vor allem erzählten diese Produktionen kaum etwas, das nicht auch in Westfilmen zu sehen war. Zudem stellte sich die Frage, ob der Osten ebenso häufig und entschieden, wie er in den offenen Wunden des Westens herumbohrte, auch vor der eigenen Tür kehrte. So charakterisierte G. Paulsen die DEFA-Satire Der Hauptmann von Köln treffend als „propagandistische Sonderleistung jener Leute (...), die anderen gern Wagenladungen voll Pfeffer ins Essen schütten, bei sich zu Haus aber den, der nur eine Prise Salz in die Suppe streut, als Brunnenvergifter hinter Schloß und Riegel bringen.“ (Die Zeit, Nr. 1, 3.1.1957)

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